Istanbul – neuster Anschlag

Anschlag in Istanbul – und plötzlich ist die Trauer anders …

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Istanbul

Erschreckend. In den letzten Monaten scheinen sich die Terroranschläge zu häufen: Ankara, Beirut, Bangkok, Ägypten, Paris – und jüngst auch in Istanbul. Selbstmordanschlag in Sultanahmet, im Herzen einer wunderbaren Stadt, mindestens zehn Tote und 15 Verletzte … Doch diesmal ist das Gefühl von Entsetzen und Trauer bei mir ein wenig anders. Denn es ist keine 48 Stunden her, dass ich mit meinem Sohn und Mann durch diese Straßen geschlendert bin, die Hagia Sophia und Blaue Moschee bewundert und die quirlige Atmosphäre der Metropole eingeatmet habe.

Und nun hat der Terror auch diesen Ort heimgesucht. An der selben Stelle, wo ich eine kurze Zeit zuvor noch gelacht habe, unser Sohn seinen Brei bekommen und mein Mann ein Eis gegessen hat, haben jetzt unschuldige Menschen ihr Leben verloren. Irgendwann scheint der Terror uns alle zu treffen. Denken wir. Denn irgendwann kennt jemand jemanden, der von der Gewaltwelle direkt oder indirekt betroffen ist. Und obwohl mich alle Anschläge zuvor sehr bewegt haben, bin ich diesmal zutiefts getroffen. Jetzt kenne ich den Unterschied. Zweifelsohne, denke ich, was für ein Glück wir gehabt haben. Denn auch unsere Familie hätte zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort gewesen sein können …
Istanbul 2
Eigentlich gehöre ich zu der Kategorie Menschen, die sich nicht gerne einschüchtern lassen, die ohne Angst die große Welt bereisen und immer an das Gute im Menschen glauben. Und nun beschleicht auch mich das Gefühl von Entsetzen und Hilflosigkeit. Wie bedrohlich ist unsere Welt geworden? Wie unsicher ist das Reisen? Wie gefährlich ist es, vor seine eigene Haustür zu treten? Doch zugleich sage ich mir, wir dürfen uns nicht lähmen lassen. Wir dürfen nicht in eine Schockstarre verfallen.

Als meine Mutter von dem Anschlag erfuhr, rief sie mich gleich an. Auch sie sprach erleichtert vom großen Glück, dass wir nicht zum Zeitpunkt am Sultanahmet Platz waren. Und sie versuchte an meine Vernunft zu appelieren: Ich hoffe, dass du nicht weiter dein Schicksal herausforderst und jetzt endlich zu Hause bleibst. Sorry Mama, bei aller Liebe, aber ich werde in Zukunft nicht das Haus hüten, auf das Reisen verzichten und Menschenansammlungen in der Öffentlichkeit meiden. Und obwohl mir – ein paar Stunden nach dieser schrecklichen Nachricht – noch immer die Worte fehlen, weiß ich, dass ich auch zukünftig gegen diese Angst in meinem Herzen ankämpfen werde – gegen diese Angst vor Anschlägen und Terrorismus. Denn ich lasse mich nicht von irgendwelchen fanatischen Idioten meiner Freiheit, Ideale und Leidenschaft berauben. Ich werde weiterhin diese faszinierende Welt bereisen und fortfahren, an das Gute in meinen Mitmenschen zu glauben.

Allen Opfern und Betroffenen des aktuellen Anschlages in Istanbul spreche ich mein großes Beileid aus – diesmal trauere ich vom ganzen Herzen mit euch, denn auch ich bin zutiefst getroffen.

2 Kommentare

  1. Hallo!
    Richtig so! Lass Dich nicht abhalten vom Reisen! Du hast Glück gehabt. Andererseits ist das Reisen bei weitem nicht so gefährlich, wie manche Leute glauben. Die allerallermeisten Menschen, die in den vergangenen Tagen Istanbul besucht haben, sind dem Anschlag entgangen. Und wenn jetzt alle Zuhause bleiben würden, dann käme das einer Niederlage sehr nahe. Nein. lass Dich nicht verrückt machen!
    Liebe Grüße
    Ulrike

    • gabriela_urban

      Hallo Ulrike, du sagst es! Genau meine Denke! Wenn jetzt alle Deutsche ihren geplanten Türkeiurlaub stornieren, dann hat der Attentäter genau das erreicht, wofür er seinen Freitod bestimmt hat. Und dem Wunsch sollten wir auf keinen Fall folgen, denn damit schaden wir unschuldigen Menschen – Menschen, die mit dem Tourismus ihre Familie ernähren beispielsweise. Ich denke auch, dass wir uns vor solchen Unglücksschlägen auf keinen Fall schützen können. Auch der Hamburger Hauptbahnhof kann irgendwann Ziel von einem Anschlag werden, aber ebenso kann es sein, dass ich vor meiner Haustür angefahren werden … Deswegen sollten wir uns auf keinen Fall einschüchtern lassen und so weiter machen wie zuvor auch.

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